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In Italien erschienen:

Nulla resta nell'ombra - Claudia VilshöferNulla resta nell'ombra
 

FAQ - frequently asked questions

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Schon als Mädchen, in meinem Heimatdorf am Rande eines Waldes, liebte ich spannende Geschichten, verschlang abends unter der Bettdecke heimlich die aus dem Bücherregal meiner Mutter stibitzten Krimis und versuchte von Zeit zu Zeit sogar selbst welche zu Papier zu bringen, zunächst entweder handschriftlich oder auf der klapprigen Reiseschreibmaschine meines Vaters.
Der Wunsch, selbst einen „richtigen“ Roman zu verfassen, der nicht in der Schublade landet, wurde jedoch erst viele Jahre später, während einer Reise durch das Death Valley, konkret. Die unendliche Weite und die schaurige Stille in diesem Tal inspirierten mich, und ich fragte mich, ob es wohl Psychothriller vor dieser atemberaubenden Kulisse gäbe. Da ich keinen auftreiben konnte, beschloss ich, selbst einen zu schreiben. Was jetzt so banal und einfach klingt, war natürlich alles andere als das, denn der Weg zum Autor ist meist steinig, weil Schreiben harte Arbeit ist und nicht nur die Verlage mit Manuskripten überhäuft werden, sondern auch Agenten geradezu im unverlangt eingesandten Lesestoff schwimmen. Umso begeisterter war ich, als sich mein Agent Dr. Harry Olechnowitz für die Story interessierte und sie beim Diana Verlag unterbrachte.
Irgendwie überschlugen sich dann die Ereignisse: Ich erwartete jetzt gleichzeitig die Veröffentlichung meines ersten Romans und die Geburt meines ersten Kindes – was für ein wunderbarer Zufall!

Wie darf man sich die Arbeit an einem Roman vorstellen?

Ich bin keine typische Laptop-Schreiberin, sitze am liebsten an einem festen Platz am Schreibtisch. Der stille Vormittag ist dabei für mich nicht nur die produktivste Zeit, sondern paradoxerweise auch die beste, um düstere Geschichten zu erfinden. Um meiner Fantasie freien Lauf zu lassen, brauche ich Ordnung, absolute Ruhe und einen freien Kopf, weshalb man als Mutter von zwei quirligen kleinen Kindern auch schon mal gezwungen ist, eine Nachtschicht einzulegen. Wenn man mitten in einer Geschichte ist, sollte man nicht zu lange pausieren, sondern diszipliniert weiterarbeiten, am besten täglich. Nach dem Einreichen des Manuskripts folgt  die Lektoratsphase, die von großem Wert für die Qualität eines Buchs ist. Es wird gekürzt und gefeilt, erneut Brainstorming betrieben und gemeinsam mit den Lektoren überlegt, was noch verbessert werden kann. 

Wo nehmen Sie die Anregungen für Ihre Geschichten her?

Es fällt schwer, hier eine pauschale Antwort zu geben. Es kann ein Thema in den Nachrichten sein, ein aufwühlender Zeitungsartikel, eine flüchtige Bemerkung am Nebentisch im Café, die ich aufschnappe. Es muss irgendein Thema sein, das mich packt und nicht mehr loslässt. Etwas, in das ich mich festbeißen kann. Von der Weiterentwicklung des Plots lasse ich mich dann gerne noch während des Schreibprozesses überraschen. Ich sammle Notizen, gehe fast nie ohne Schreibblock und Stift aus dem Haus, weil mir die besten Ideen meist unterwegs einfallen. So kann ich sie dann später in die Geschichte verweben, wobei ich nicht selten auf neue, interessante Zusammenhänge stoße, welche die Story vorantreiben. In der Regel schreibe ich nicht chronologisch, sondern immer gerade an der Szene, in die ich besonders tief eintauchen kann. Ich sehe dann atemlos zu, wie die Geschichte eine Eigendynamik entwickelt und unweigerlich auf das Finale zusteuert, das ich schon von Beginn an kenne.

Wie entwickeln Sie die Figuren und wie nah sind sie Ihnen beim Schreiben?

Am Anfang einer Buchidee stehen immer die Figuren und ihre Verbindung zueinander. Ich überlege mir, welche Charaktereigenschaften sie zu den explosiven Persönlichkeiten machen, die ich für meine Geschichte brauche, wie sie aussehen sollen, welche brisanten Vorlieben sie haben. Und wie sie ticken. Was sie fühlen.  Während der Arbeit an einem Roman verbringt man, selbst wenn man gerade nicht am Schreibtisch sitzt, viel Zeit mit seinen Protagonisten und ihrer Entwicklung, lebt quasi mit ihnen, und das rund um die Uhr. Ich hege eine Vorliebe für eine überschaubare Anzahl von Charakteren, die Ecken und Kanten haben und auf deren Seelen das Leben Spuren hinterlassen hat. Oder die mit einer schweren Schuld leben und durch ihre Verhaltensweisen und Gedankengänge das Potential haben, den Leser zu fesseln – nicht nur, weil in manchen von ihnen das Böse lauert.

Was reizt Sie gerade am Psychothriller?

Mich fasziniert, wie sich ein vielleicht schon lange zurückliegendes traumatisches Ereignis auswirkt, welche negativen Energien es freisetzt und was es aus einem Menschen macht. Wie es seine Seele verändert und sein Umfeld beeinflusst. Ich finde es spannend, dem Täter in den Kopf zu sehen, sich in ihn hineinzuversetzen, wenngleich man natürlich im realen Leben niemals selbst so handeln würde. Die klassische, ermüdende Ermittlungsarbeit der Polizei bleibt dabei im Hintergrund. Was mich interessiert, ist vielmehr die Psyche des Mörders und die Geschichte, wie er zu einem solchen geworden ist.

Wie wichtig ist die Recherche?

Die Recherche nimmt einen nicht unerheblichen Teil des Schreibens ein, sowohl im Vorfeld, als auch noch während der produktiven Phase, in der immer mal wieder Fragen auftauchen, die sich oft übers Internet oder Telefonate klären lassen. Manches gestaltet sich jedoch auch aufwändiger. Für „Nichts bleibt je vergessen“ zum Beispiel reiste ich mit meinem aus dem italienischen Piemont stammenden Mann ins Bormida-Tal, um den Schauplatz der Handlung authentischer zu beschreiben. Ich unterhielt mich dort mit Menschen, machte Bilder und tauchte tief in die Atmosphäre der Gegend ein, um sie später, während des Schreibens, hautnah präsent zu haben. Ich möchte wissen, wie sich ein Ort, der zum Schauplatz eines Thrillers wird, anfühlt, wie er riecht, welche geheimen Schlupfwinkel er birgt...

Der Roman „Nichts bleibt je vergessen“ wurde inzwischen in die italienische Sprache übersetzt und erscheint seit April 2013 auch auf dem italienischen Buchmarkt:

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